Weltschmerz zum Mitsingen

Von Christoph Fellmann. Aktualisiert am 02.02.2012

Die Aeronauten werden 20 und taufen in Bern ihr neues Doppelalbum.

Zwanzig und trinkfest: Die Aeronauten.

Zwanzig und trinkfest: Die Aeronauten.
Bild: zvg

Infobox

Café Mokka Thun Freitag, 3. Feb., 21 Uhr.

Mit dem Alter fängt man an, sich für Jubiläen zu interessieren. Zwanzig Jahre nach ihrem Debüt (auf Kassette!) bringen die Aeronauten in diesen Tagen ein Doppelalbum heraus, auf dem sie nicht nur zurückblicken, sondern auch ein bisschen aufräumen – ist die zweite CD doch eine Sammlung von vierzehn Instrumentals, die im Lauf der Jahre liegen geblieben sind. Nun sind die Aeronauten ohne ihre deutschen Texte ja kaum vorstellbar. Und doch passt das ironische Understatement, mit dem hier gefeiert wird, was nun mal zu feiern ist, natürlich bestens zu dieser Band – wusste sie in Text wie Musik doch schon immer, wie sich Weltschmerz und Selbstironie zur partytauglichen musikalischen Unterhaltung paaren.

Eher unfreiwillig ist wohl aber doch die Ironie, dass einem diese zweite CD verspielter, skurriler und interessanter im Ohr klingt als die zwölf neuen Lieder, mit denen die Aeronauten den ersten Teil von «Too Big to Fail» bestreiten. Routiniert melodiös flutscht der Ruckelrock hier nochmals durch die Partybläserturbine – ohne dass sich aber die Magie oder sagen wir: die Singalong-Melancholie der alten Tage einstellen will. Dafür sind auch zu wenige der neuen Texte von Olifr M. Guz so prägnant wie «Jackenmann», welches das Album mit einer gut und genau erzählten Eifersuchtsgeschichte eröffnet. Sonst gibt es, wie etwa im Titelstück, zu viel und zu ungefähre Krisenlyrik: «Glocken klingen und Leute singen / Die Pfützen trocknen aus / Hier, nimm diese verrotteten Schuhe / Ich gehe barfuss nach Haus.» Da hilft auch der prominent besetzte Chor nicht wirklich weiter, der im gleichnamigen Stück weiss: «Das Ende ist nah.» Denn eine Schweiz ohne die Aeronauten, die will man sich dann lieber doch nicht vorstellen.

Zwanzig und trinkfest: Die Aeronauten aus Schaffhausen. Foto: zvg (Der Bund)

Erstellt: 02.02.2012, 09:45 Uhr

0

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.
Noch keine Kommentare