Taschenspielermusik

Von Christoph Lenz. Aktualisiert am 18.05.2011

Lieder, leicht wie Sommerkleider: Choo Choo aus Bern entdecken den Powerpop.

Sie kennen alle Tricks und Bluffs der Popmusik: Choo Choo. (zvg)

Sie kennen alle Tricks und Bluffs der Popmusik: Choo Choo. (zvg)

«In or Out». So heisst das Stück, das fast ganz zum Schluss noch einmal zusammenfasst, worum es der Berner Band Choo Choo im Grunde genommen geht. Und ja, es passt zu diesen vier Musikern, dass das Resümee eingepackt wird in die grösste aller Fragen. Läuft denn nicht alles Lieben und Leiden immer genau darauf hinaus: Bleibt sie bei mir oder nicht? Ist sie «in or out» aus dieser Sache? Natürlich gibt es darauf keine Antwort. Jedenfalls keine, die nicht total vorläufig ist. Aber wer will schon Antworten, wenn er eine so tolle Refrain-Melodie haben kann. Dann zündet auch noch diese himmlische Gitarre. Und was war noch mal die Frage? Wollten wir nicht eigentlich tanzen?

Choo Choo sind Schmeichler, Hasardeure, Schlaumeier, Taschenspieler. Sie kennen sich formidabel aus mit den Manövern und Finten, den Tricks und den Bluffs, dem ganzen Tand, der die Popmusik so gross und berühmt und unwiderstehlich gemacht hat. Jetzt legt die Band um Sänger Dan Joerg uns mit «Cannes» (Chop Records) ein knapp 40-minütiges Spektakel vor: Parolen, Melodien, Gesten, Bilder, Drama – alles da, alles wunderbar. Powerpop nennt sich das Genre. Ein schöner Begriff, der gut vertuscht, dass es hier nicht mehr um Indie geht, oder eine Haltung, oder sonst was. Sondern vor allem um das Hier und Jetzt und die Frage, wie man es sich am angenehmsten darin einrichten kann.

Verführerisch bis superprima

Vor drei Jahren war das noch anders. Choo Choo hatten sich bei ihrem Erstling dem Garagen-Pop verschrieben. Jim Diamond, einstiger Weggefährte von und späterer Kläger gegen Jack White, trimmte die Songs ganz professionell auf unprofessionell. Choo Choo liessen sich ein auf das Vexierspiel mit dem Charme des Unperfekten. Das war nett, aber nicht wirklich wichtig. Der neue Mann, Kalle Gustafsson aus Göteborg, unter anderem Bassist bei Soundtrack of our Lives, hat sehr vieles sehr viel besser gemacht: das Klangbild luftiger, die Arrangements zugänglicher, die Orgeln neckischer, das Schlagzeug weicher. Freilich: Wirklich wichtig ist die Musik von Choo Choo weiterhin nicht. Aber insgesamt sehr verführerisch und immer wieder sogar superprima.

ISC Club, Bern. Donnerstag, 20. Januar 2011, 20.30 Uhr. (Der Bund)

Erstellt: 19.01.2011, 15:29 Uhr