Tanzbare Körpergeräusche

Von Ane Hebeisen. Aktualisiert am 21.04.2011

Mit Beardyman gastiert der wohl beste Beatboxer der Welt in Bern und bietet abendfüllende Einmann-Unterhaltung.

Der wohl beste Beatboxer der Welt: Beardyman. (zvg)

Der wohl beste Beatboxer der Welt: Beardyman. (zvg)

Ausgerechnet jetzt, da er Grosses vollbracht hat, steckt der Mann in Schwierigkeiten. Seit er sich auf den Beinen halten kann, hat der Londoner Darren Foreman Geräusche imitiert, am liebsten jene des Komikers Michael Winslow aus dem Film «Police Academy». Später sah er ein Konzert der fleischgewordenen Noise-Maschine Rhazel und war sich seines mittelbaren Werdegangs sicher.

Darren Foreman wurde Beatboxer und legte sich den Namen Beardyman zu. Nicht irgendein Beatboxer, sondern einer der besten – wenn nicht der beste der Welt. 2006 und 2007 wird er englischer Beatbox-Champion, es folgen Auftritte an Festivals und in Fernsehshows. Mittels Loopmaschinen, Effektgeräten und Chaos-Pats verfertigt der Engländer abendfüllende und gemeinhin frenetisch bejubelte DJ-Sets, die einzig auf seinem Gesang und seinen körperlichen Geräuschemissionen fussen. Und es spricht sich bald herum, dass die Abende mit Beardyman nicht nur prima zu betanzen, sondern auch von verteufelt gutem Witz begleitet sind.

Und nun hat dieser Beardyman also sein erstes Album veröffentlicht, und prompt haben sich erste Beatbox-Puristen zum Protest formiert. Da seien ja wohl regelrecht produzierte Beats aus dem Computer zu hören, was sich für einen wahren Beatboxer nicht zieme, tönt es aus der Ecke der Freunde naturbelassener Körpergeräusche. Doch dies tut der Freude am Beardyman-Erstling keinen Abbruch. Da mischen sich Grime-Attacken auf afrikanische Dancefloor-Musik, dazwischen wird Justin Bieber den Hunden zum Frass vorgeworfen, oder es wird ins selten bewirtschaftete Genre der russischen Dubstep gewechselt. Das ist kurzweilig, nervenaufreibend und gänsehauterregend in einem.

Dachstock Reitschule Fr, 22. April, 22 Uhr. (Der Bund)

Erstellt: 21.04.2011, 08:12 Uhr