Strukturierte Spontaneität
Konzert
Café Mokka Thun Samstag, 11. Februar, 21 Uhr.
Der erste Höreindruck täuscht. Was bei einem oberflächlichen Durchlauf wie ein spontanes Happening wirkt, in dessen Verlauf sich die Beteiligten in erster Linie selbst verwirklichen wollen, und zwar ohne allzu grosse Rücksicht auf ein allfälliges Publikum, erweist sich bei näherem und wiederholtem Hinhören als ein höchst kunstvolles Konstrukt. Improvisation und Komposition stehen darin in einem fein austarierten Gleichgewicht, in dem spontane Ausbrüche, die zuweilen brachial anmuten, von vorgegebenen Strukturen aufgefangen werden.
Ein eigenes Kleinlabel
Die Rede ist vom Album «Tol’s Toy» des Quartetts Lila um den aus Zürich stammenden und in Luzern ansässigen Tenorsaxofonisten und Bassklarinettisten Christoph Erb. Besagte Gruppe ist nicht neu, sicher auch ein Grund für das nahezu blinde Verständnis der vier Lila-Protagonisten untereinander, die sich nach ihren jeweiligen instrumentalen Egotrips immer wieder finden. Das Debütalbum wurde 2006 aufgenommen und erschien unter dem auf sich selbst verweisenden Titel «Lila» auf Unit Records. «Tol’s Toy» ist nun auf Veto Records herausgekommen, Christoph Erbs in Zwischenzeit ins Leben gerufenem Kleinlabel, das sich der Dokumentierung von Musik in ihrem Entstehungsprozesses verschrieben hat.
Entsprechend sind sechs der acht Nummern auf «Tol’s Toy» Livemitschnitte, auf denen Christoph Erb zusammen mit den Gründungsmitgliedern Hans-Peter Pfammatter, der für diverse elektronisch generierte Sounds zuständig ist, und Julian Sartorius am Schlagzeug sowie mit dem neu hinzugestossenen Gitarristen Flo Stoffner in konservierter Echtzeit zu hören ist. Die Musik, für die entweder Erb oder Lila als Kollektiv verantwortlich zeichnen, bewegt sich im weiten Feld zwischen den Eckpunkten Jazz, Rock und Ambient, das mittlerweile schon oft begangen worden ist, jedoch selten mit soviel Formbewusstsein. Tatsächlich tönt Lila erfrischend unklischiert, was damit zu tun hat, dass die Musiker nicht in vorgegebene Formeln verfallen, sondern ihre Syntax selbst erschaffen. (Der Bund)
Erstellt: 09.02.2012, 09:10 Uhr
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