Anhängliche Konzeptkunst
Ausschnitt: Sebastian Stumpf, Sukima, 2010, Farbfotografie, je 48 x 36 cm, 16teilig. (zvg)
Mit Sprühkleber hat der 34-jährige Belgier eine schmale Trapezform auf dem Boden der Galerie markiert. Wer darauftritt, bleibt daran haften wie an einem Kaugummi auf dem Strassenpflaster. «Das Kunstwerk findet die Besucher und nicht umgekehrt», sagt van den Bosch über seinen Beitrag zur Gruppenausstellung «take space for example», die sich der künstlerischen Erkundung von Räumen widmet. Steve van den Bosch macht mit seiner Bodenarbeit nicht nur partiell den Raum spürbar, den ein Besucher beim Betrachten der Werke in der Galerie durchmisst. In der aufgesprühten Form zitiert er zudem ein Raumdetail seines Ateliers, nämlich jenen schmalen Winkel, der sich zwischen Wand und Ateliertür bildet, wenn die Tür offen steht. Ein Raum mithin, der sich gleichfalls dem Blick entzieht. Schliesslich ist, solange die Form intakt ist, die Tür davor. Wird sie geschlossen, löst die Form sich auf, obwohl sie, wie Steve van den Bosch sagt, im Prinzip immer noch da ist. Der sehr konzeptuell arbeitende van den Bosch, der im vergangenen Jahr auch in der Ausstellung «The Conspiracy» in der Kunsthalle vertreten war, arbeitet gern mit Räumen und Flächen, die zwar da, aber nur bedingt wahrnehmbar sind. Seine Arbeit «50%» zeigt einen eingeschalteten Diaprojektor mit leerem Diawagen, dessen Projektionsobjektiv zur Hälfte verdeckt ist. An der gegenüberliegenden Wand erscheint nur ein halbes, vergleichsweise schmales Lichtrechteck. Die andere Hälfte bleibt der Projektion des Betrachters überlassen.
Sebastian Stumpf hingegen arbeitet mit Raum in urbanen Strukturen. Seine in Japan entstandene Fotoserie «Sukima» zeigt den 29-jährigen Deutschen, wie er auf Zäunen und Simsen in Lücken zwischen modernen Bauten steht. Die schmalen Zwischenräume, sauber gestaltete Unorte, in denen Regenrohre und Sicherungssysteme ihren Platz finden, werden durch die hineingestellte Person des Künstlers zu beklemmend engen Freiräumen in einer strikt durchgestalteten Stadtlandschaft. Eine humorvolle, beinahe slapstickhafte Note bringt die Ungarin Vlatka Horvat in die Ausstellung. In ihrem Video «Left to Right & Back» steckt die 35-Jährige in einem Schrank, der in einem engen Raum endlos hin und her gleitet. Man könnte auch sagen, der Schrank wandert. Man hört die Schritte Vlatka Horvats, die den Schrank unablässig von einer Wand zur anderen und zurück bewegt, und sieht, wenn man genau hinschaut, kleine Rollen, die die Mühsal der Künstlerin etwas verringern. Der Gedanke an Sisyphos liegt nahe. Bei aller Clownerie öffnet Horvats Video so auch eine weitere Dimension des Begriffs Raum, steckt doch in ihrem wandernden Schrank auch die Idee des individuellen Spiel- und Gestaltungsraumes. Alice Henkes
Die Ausstellung dauert bis 27. März. (Der Bund)
Erstellt: 08.03.2010, 09:31 Uhr

