Auf dem richtigen Weg in die Sackgasse
Von Regula Fuchs. Aktualisiert am 09.02.2012
Agenda
Schlachthaus-Theater Premiere: Samstag, 11. Februar, 20.30 Uhr. Weitere Vorstellungen: So, 12. Feb., 18 Uhr sowie 13., 14., 16., 20. und 22. Feb., jeweils 20.30 Uhr. Gespräch mit Michael Schmidt-Salomon: Sonntag, 12. Februar, 19.30 Uhr.
Es wäre ja so schön. Wenn alles so eindeutig wäre. Das Gute hier, das Böse dort, der Pfarrer gut, der Neonazi schlecht. Aber so einfach ist es leider nicht: Denn in dieser Geschichte, die das Berner Theater-Konglomerat Kopp/Nauer/Vittinghoff in «Jenseits von Gut und Böse» erzählt, will Pfarrer Gunther den brutalen Neonazi Björn dermassen penetrant auf den richtigen Weg bringen, dass man sich mit der Zeit fragt, ob der Pfad der Tugend nicht die eigentliche Sackgasse ist.
Wem dieser Plot bekannt vorkommt: Das Theaterstück ist inspiriert vom schwarzhumorigen dänischen Film «Adam’s Apples» mit dem genialen Mads Mikkelsen in der Hauptrolle. Und wem der Titel bekannt vorkommt: Er ist einem Werk des deutschen Philosophen und überzeugten Atheisten Michael Schmidt-Salomon entliehen, der in «Jenseits von Gut und Böse. Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind» archaische Denkmuster aufzubrechen versucht. (Der Religionskritiker wird im Übrigen für ein öffentliches Gespräch im Anschluss an die Sonntagsvorstellung anreisen.)
Eine Prise Bühnen-Trash
Dass Dirk Vittinghoff, Armin Kopp und Philippe Nauer die Problematik der Moral mithilfe von Puppen erzählen, ist der Clou dieser Inszenierung: Schöner als mit den typisierten Gestalten («Der Säufer», «Der Kleinkriminelle») lassen sich Denkklischees kaum entlarven. Und dass das Stück selber nicht in die Gut-oder-Böse-Falle tappt, dafür dürfte der wilde Mix aus Puppentheater, Schauspiel, Video und einer Prise Bühnen-Trash sorgen. Schliesslich hat das Trio seine Qualitäten, was das waghalsige Jonglieren mit Theaterstilen angeht, schon in früheren Produktionen bewiesen: im Puppen-Comic-Strip «Die Welt ist nicht gerecht» oder im Splatter-Passionsspiel «Meister Panda».
(Der Bund)
Erstellt: 09.02.2012, 11:26 Uhr
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