Die Guerilla-Troubadoure
Von Regula Fuchs. Aktualisiert am 01.12.2010
Eigentlich sind sie drei. Auf Fotos posieren sie gerne zu viert, live sind sie aber auch schon im Duo oder mit fetter Band aufgetreten. Ihre jüngste Platte, wenige Wochen alt, trägt den Namen «Schnouz». Das alles und das Bild, das die Herren hier oben abgeben, macht klar: Wer ans Konzert von Tomazobi geht, sollte Freude an Albernheiten haben.
Meist spielt nur Maze, Gitarre, Tobi und Obi trommeln lieber sinnlos auf ihren Oberschenkeln herum. Und singen natürlich: Lieder, die von «Mike Shiva», der «Farbelehr» oder «Cowboys for Freedom» handeln.
Ins Wembley-Stadion wollen sie, die unverschämten Tomazobi, mit ihrem Album «Schnouz». Mark «Obi» Oberholzer gibt Antwort auf unsere fünf Fragen.
Über mangelndes Selbstbewusstsein können Sie ja nicht klagen. Sie singen auf Ihrer neuen CD namens «Schnouz», dass Tomazobi die schönste, beste, schnellste Band der Welt sei. Was bringt Sie dazu?
Zu dieser ganz unschweizerischen Unbescheidenheit, meinen Sie? Vielleicht, dass wir gerade eben nicht die schönste, beste, schnellste Band der Welt sind. Wir nehmen uns selber nicht zu ernst, haben einen starken Hang zur Selbstironie. Das Lied drückt auch einfach aus, wie sehr es fägt, Tomazobi zu sein: Wir können so reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist, müssen uns nicht immer fragen, ob wir gewisse Dinge sagen dürfen oder nicht. Und das Schöne ist: Wir gehen auf die Bühne, haben selber unglaublich Spass dabei, und dann kommt das bei den Leuten erst noch gut an. Wir sind manchmal selber erstaunt darüber. Dabei gibts auch mal einen falschen Ton, wir rattern aber durch bis zum Schluss und lassen uns vom Momentum treiben.
Sie singen auch davon, wie Sie im Kleintheater, im Kirchgemeindehaus, am Esoterikkonzert oder am Bierfest auftreten – ist Tomazobi eine Allzweck-Band?
Ja, wir sind sozusagen eine Allzweckwaffe: Tomazobi funktioniert fast bei jedem Publikum, bei den Kindern wie bei den Senioren. Vermutlich hat es mehr damit zu tun, wie wir singen, und weniger damit, was wir singen. Es gibt auch fast keinen Ort, an dem wir nicht auftreten würden. Ausser vielleicht bei der Novartis oder der UBS. Das würde die zu viel kosten.
Ihr musikalisches Spektrum reicht von äquatornah bis alpin, von Country bis Hippie. Wo sind die Grenzen des Tomazobi-Sounds?
Es gibt keine Grenzen. Schliesslich sind wir neben Tomazobi alle auch in ernsthaften Musikprojekten engagiert, und unsere Musikgeschmäcker sind ganz vielfältig. Wenn wir ein bestimmtes Genre für ein Lied wählen, zum Beispiel einen Country-Heuler, dann ist das immer Hommage und Ironisierung zugleich: Zwar haben wir Respekt vor der Musik, aber nicht so grossen, um uns nicht gleichzeitig darüber lustig machen zu können.
Ihre erste CD war noch selbstgebastelt, mittlerweile haben Sie über 15'000 Alben verkauft. Lockt da nicht die Welt der «Grössten Schweizer Hits», der «Benissimos», der «Schweizer-Illustrierte»-Homestorys?
Darüber sind wir uns intern nicht ganz einig, aber es ist schon klar: Der grosse Erfolg lockt durchaus. Natürlich wollen wir ins Wembley-Stadion! Von Tausenden Fans bejubelt werden! Wenns sein muss, auch mit Robbie Williams als Vorband. . . Allerdings würden wir gewisse Kompromisse dafür sicher nicht eingehen, da ist uns unsere Glaubwürdigkeit lieber. Sven Epiney hat uns übrigens noch nicht angefragt, dafür sind wir vielleicht doch etwas zu sehr Guerilla. . . Aber wenn ers täte: Warum nicht?
Weshalb heisst das neue Album eigentlich «Schnouz»? Ist das ein modisches Statement?
Stimmt, schliesslich tragen derzeit in den Promi-Zirkeln viele wieder Schnäuze. Aber für uns geht es nicht um den Oberlippenschmuck, sondern mit «Schnäuzen» umschreiben wir Personen mit einer gewissen Engstirnigkeit und Arroganz, über die wir uns lustig machen. Aber es ist eine Hassliebe. Denn gleichzeitig liefern uns die «Schnäuze» auch den Stoff für unsere Lieder. (Der Bund)
Erstellt: 01.12.2010, 13:54 Uhr
