«Apps with Love» – mit Liebe gemacht
Von Matthias Ryffel. Aktualisiert am 16.07.2011
Wer am heutigen Samstag auf dem Gurten ob der Menschenmasse oder dem breiten Konzertprogramm die Orientierung zu verlieren droht, kann sich von seinem Handy an die Hand nehmen lassen. Ein junges Berner Unternehmen hat im Auftrag der Swisscom eine hilfreiche Handy-Anwendung für Festivalbesucher entwickelt.
Das Unternehmen namens Apps with Love wurde im Sommer 2010 als Gmbh ins Leben gerufen und hat sich die Entwicklung qualitativ hochstehender Smartphone-Apps auf die Fahnen geschrieben. Der Name ist dabei Programm: «Wir wollen unsere Produkte mit viel Liebe gestalten – wie der Beck seine Gipfeli», sagt Beni Hirt, Mitbegründer des Unternehmens und ehemaliger Berner Stadtrat (SP). Man wolle machen, was man selber cool finde und liebe.
«Gurten Buddy» heisst die Applikation, welche Swisscom dem Festivalbesucher gratis zur Verfügung stellt. Sie ist Orientierungshilfe, Festivalprogramm, Newsticker und Fotobörse in einem – und als «Open Air Buddy» überdies auch für alle anderen von Swisscom gesponsorten Open Airs erhältlich. Wer über ein iPhone oder ein Android-Handy verfügt, den informiert der «Gurten Buddy» über die aktuellen Bandauftritte und zeigt ihm auf einer Karte deren Koordinaten sowie den eigenen Standort. Neben weiteren Funktionen bietet die Anwendung dem Nutzer auch die Möglichkeit, sein eigenes Konzertprogramm zusammenzustellen, und erinnert ihn zudem an die präferierten Auftritte.
Nun ist die Produktion solcher Anwendungen nicht nur Profis vorbehalten. Wer Computerwissen und Zeit mitbringt, bastelt sich seine Applikation ganz einfach selber. Entsprechend ausufernd präsentiert sich das Angebot im Netz – vom Farbenblindheitstest bis zur digitalen Wasserwaage ist alles erhältlich. Die Situation sei mit dem Internet-Boom der 90er-Jahre vergleichbar, meint Hirt: «Wer einen Computer besass, bastelte sich eine eigene Webseite – vieles war damals und ist heute Schrott.»
Davon will man sich bei Apps with Love abheben: «Unsere Produkte sollen gut aussehen, einfach zu bedienen sein und für den Alltag eine Erleichterung bieten.» Das nötige Know-how bringt laut Hirt jeder Mitarbeiter mittels seiner Kernkompetenzen ein. Neben dem Strategen Hirt gebe es den Visionär Till Könnecker, den Entwickler Olivier Oswald sowie den Mann für die Benutzerfreundlichkeit, Stephan Klaus.
Eigenproduktionen bergen Risiko
Der «Open Air Buddy» ist eine Auftragsarbeit. Die erste Eigenproduktion soll aber bald folgen. Hirt will noch nicht zu viel verraten. Die Applikation werde es dem Nutzer ermöglichen, Einladungen zu Anlässen gezielt zu managen. Längerfristig setzt man bei Apps with Love auf zwei Standbeine: Auftragsarbeiten einerseits und Eigenproduktionen andererseits. «Bedürfnisse einzuschätzen und Downloadzahlen vorauszusagen, ist wahnsinnig schwierig», erklärt Hirt. So sei das unternehmerische Risiko, das Eigenproduktionen mit sich bringen, zwar ungleich höher, aber man wolle schliesslich die Flut an eigenen Ideen umsetzen.
Mit solchen Anwendungen lässt sich durchaus Geld machen. «Ein richtig erfolgreiches Spiel laden im Idealfall mehrere Millionen Nutzer auf ihr Handy», so Hirt. Wenn der Download da auch nur einen Franken koste, sei Gewinn garantiert. Allerdings stecke auch sehr viel Arbeit hinter einer gut durchdachten und erfolgreichen Applikation, meint Hirt. Entsprechend viel lassen sich grosse Unternehmen eine solche kosten. Von 20'000 Franken bis zu einer Million könne das Spektrum reichen.
Auf dem Gurten findet das Programm Anklang. Nadja aus Bern ist glücklich, dass sie kein Papierprogramm mehr braucht. «Es ist wie mit allen Apps, man kann auch ohne leben, aber es ist praktisch», sagt Mark aus Bern. «Es ist wohl häufig nicht ein akutes, sondern eher ein latentes Bedürfnis, welches eine Applikation befriedigt», gibt Stratege Hirt zu. Zu Deutsch: Wirklich brauchen tut es eigentlich niemand. Auf dem Gurten dürfte es denn auch noch den einen oder anderen Veteranen geben, der auch ohne Handy die richtige Bühne findet. Der smarte Smartphone-Verweigerer schliesslich bittet ganz einfach einen der 14'000 anderen Besucher um Auskunft. Die Zahlen aber sprechen für das Start-up: 40'000 Mal sei der «Open Air Buddy» dieses Jahr bereits vom Netz gesogen worden, gibt eine Swisscom-Sprecherin bekannt. (Der Bund)
Erstellt: 16.07.2011, 14:47 Uhr
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