Wenn das nicht wahre Liebe ist!
Von Ruedi Baumann. Aktualisiert am 04.03.2010
Reto Vannini (61) erlebt einen doppelten zweiten Frühling. Er hat sich «wie vom Blitz getroffen» in die Thuner BDP-Nationalrätin Ursula Haller verliebt, die sich mit der SVP verkracht hatte. Seit 2008 wohnt er bei ihr in Thun und geht jeden Morgen um 5.30 Uhr auf den Zug. Denn in Zürich hat er im Volksschulamt einen wichtigen Job: Er ist dort für die Zeugnisse zuständig.
Im letzten November haben Vannini und Haller geheiratet. Auch politisch sucht Vannini den Neuanfang. In Wildberg war er 1994 bis 2006 als Parteiloser im Gemeinderat, acht Jahre als Präsident. Jetzt strebt er ein Comeback an. Auf der Liste der BDP kandidiert er im Wahlkreis Thun für einen Sitz im Berner Kantonsparlament.
Vannini hat den Chef des Volksschulamts, Martin Wendelspiess, um Erlaubnis für eine Kandidatur gefragt. «Das musst du selber wissen», hat der geantwortet. Einen Konflikt zwischen den Interessen der Zürcher Bildungsdirektion und dem Kanton Bern sieht Wendelspiess nicht. «Im Gegenteil», sagt er. «Wenn ein Zürcher Staatsangestellter in den Zürcher Kantonsrat geht, besteht eher ein Interessenkonflikt.» Vannini rechnet nicht unbedingt mit einer Wahl, obschon er seit einem Jahr im Vorstand der BDP Thun sitzt – unter Präsidentin Ursula Haller. «Mein Beziehungsnetz ist hier noch nicht so gross», sagt er. Sollte er trotzdem gewählt werden, müsste er neben seinem Zürcher 100-Prozent-Job für den Kanton Bern noch fünf Grossratssessionen abdecken. Vannini sieht darin kein Problem: «Ich würde zuerst all meine Ferien einziehen und mir später eine Pensenreduktion überlegen.» (Der Bund)
Erstellt: 04.03.2010, 09:08 Uhr
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