Simon freut sich auf das eigene Büro
Von Anita Bachmann. Aktualisiert am 30.03.2010
«I bi chli bödelet», sagt Beatrice Simon einen Tag nach ihrer Wahl zur Regierungsrätin. Nach der gewonnenen Zitterpartie gegen SVP-Mann Albert Rösti und dem anschliessenden Rummel hat ihre Familie sie wieder auf den Boden zurückgeholt. «Mein Mann ist der ruhende Pol», sagt sie über Helmut Simon. Er unterrichtet Informatik an einer Berufsschule und betreut die Homepages der BDP-Kantonalsektionen sowie die persönlichen Internetseiten seiner Frau. Ob er aber die Seite mit der längst reservierten Adresse regierungsraetin.ch jemals gestalten werde und sie diese wirklich benützen dürfe, müsse sie zuerst noch abklären. «Ich will nicht gleich ins erste Fettnäpfchen treten», sagt Simon. Nicht nur Ehemann Helmut engagiert sich für die BDP, die ältere der beiden erwachsenen Töchter führt zudem das Sekretariat der BDP Seedorf.
Heute werde ihr nun auch bewusst, was es heisse, in die Regierung gewählt zu sein, sagt Simon. So müsse sie wohl nicht nur die meisten Ämter abgeben, sondern etwa für ihren Haushalt eine Putzfrau suchen. Auch für ihren Mann kann sie künftig nicht mehr kochen – doch dieses Szenario hat die Politikerin bereits durchgedacht. «Mein Mann kommt nach Bern in die Stadt mit mir Mittagessen», sagt sie. Simon muss aber nicht nur entbehren, die neue Herausforderung bringt auch Annehmlichkeiten mit sich. So bekomme sie ihr eigenes Büro. «Das habe ich heute nicht.» Nicht mitnehmen ins Büro werde sie übrigens ihre beiden Hunde Maike und Fuffy.
Auf Eis gelegt wird nun das Projekt einer Beratungsfirma, das sie mit ihrem Mann vorbereitet hat. Stattdessen gelte es nun, sich auf das neue Amt vorzubereiten. Vorerst steht aber Medienarbeit an: Zum Frühstück hatte sie zwei Radiomacher zu Gast, beim Mittagessenkochen schaute ihr das Schweizer Fernsehen in die Pfannen, und am Nachmittag gab sie ein weiteres halbes Dutzend Interviews. Den Umgang mit viel Medienaufmerksamkeit habe sie nach der Wahl zur Kantonalpräsidentin gelernt. «Damals wurde ich ein bisschen überrannt», sagt Simon. Überhäuft werde sie nun mit Mails, SMS, Anrufen und Post. Trotz der Menge freue sie sich über die Reaktionen. «Wir mussten oft untendurch, und ich wurde erst kürzlich noch als Verräterin angegriffen», sagt sie über die Zeit nach der Abspaltung von der SVP.
«Ich will keine Quotenfrau sein», sagt Simon. Misst aber dem Frauenbonus, der ihr zur Wahl verholfen haben soll, eine Bedeutung zu. Die Erwartungen an all jene, die sie als Frau gewählt haben, will sie nicht enttäuschen. «Ich will die Familie stärken, im Rahmen der Möglichkeiten», sagt sie. Sie sei von der bisherigen SP-Regierungsrätin Barbara Egger willkommen geheissen worden. Egger sei froh, dass nun eine zweite Frau in der Regierung vertreten sei, sagt Simon. (Der Bund)
Erstellt: 30.03.2010, 15:48 Uhr
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