Bern

Sieg für die verkrachten Schwestern

Von Renate Bühler. Aktualisiert am 29.03.2010

Im Wahlkreis Mittelland-Süd schwingen die mit zwei Listen angetretene SVP sowie die BDP bei den Wahlen in den Grossen Rat oben aus. Wahlverliererin Nummer eins ist die FDP, doch auch die Sozialdemokraten und die Grünen mussten Federn lassen.

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Mit der Wahlkreisreform, die seit Anfang Jahr gilt, wurde auch der neue Wahlkreis Mittelland-Süd aus der Taufe gehoben. Er entstand aus dem erweiterten und in je einen nördlichen und einen südlichen neuen Kreis aufgeteilten Wahlkreis Mittelland – daher ist der direkte Vergleich mit den Wahlen von 2006 nicht möglich. Heute umfasst der Wahlkreis Mittelland-Süd die Gemeinde Köniz, die Gemeinden des Schwarzenburgerlands und des Längenbergs, des Gürbetals, der Region Münsingen und der Region Konolfingen. Dem Mittelland Süd stehen 20 Sitze im Grossen Rat zu.

Feller, das Politkuriosum

Am gestrigen Wahlsonntag wurden sie wie folgt vergeben: Die SVP, angetreten mit einer West- und einer Ost-Liste, stellt insgesamt 6 Grossräte, darunter nur einen bisherigen, nämlich Paul Messerli aus Kirchdorf. Ebenfalls als bisheriger SVPler angetreten war Peter Schori aus Spiegel – der ehemalige Schweizer Demokrat schaffte die Wiederwahl aber nicht. Anders die BDP, die den Status der kleinen, netten Schwester der SVP spätestens mit dem gestrigen Wahlgang abgelegt hat: Drei ihrer vier Grossräte aus dem südlichen Mittelland sind bisherige; neu ist einzig Erich Feller. Der Münsinger Gemeindepräsident ist übrigens ein parteipolitisches Kuriosum: Während er in der Aaretaler Gemeinde für die Freien Wähler politisiert, wird er im Grossen Rat für die BDP Einsitz nehmen. Da es auch in Münsingen eine BDP gibt, stellt sich die Frage, ob Feller dereinst nicht ganz zu dieser Partei wechseln wird. Im Januar hatte er allerdings betont, dass er den Freien Wählern auch bei einer Wahl in den Grossen Rat treu bleiben werde.

BDP kommt, SVP bleibt

Auch die SP, die gestern vier Sitze für sich eroberte, lässt einen Gemeindepräsidenten neu in den Grossen Rat ziehen: Luc Mentha aus Köniz. Mentha wird seine Gemeinde nicht alleine vertreten im Kantonsparlament: Seine Exekutivkollegen Rita Haudenschild und Ueli Studer (svp) sitzen ebenfalls im Grossen Rat – Haudenschild, die auf der Liste der Grünen doppelt geführt wurde, erreichte übrigens das beste Resultat aller Kandidierenden im Wahlkreis Mittelland-Süd. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass gestern vor allem die SVP und die BDP Grund zum Feiern hatten. Dies zeigt der Blick auf ausgewählte Gemeinden im Wahlkreis Mittelland-Süd. So erreichte die BDP beispielsweise in Köniz, mit fast 40000 Einwohnern die grösste Gemeinde im Wahlkreis, auf Anhieb einen Wähleranteil von 16,5 Prozent, während die SVP ihren Anteil aus dem Wahlgang 2006 solide halten konnte: Damals erreichte sie 17,4 Prozent, heuer kommt sie auf 18,1 Prozent.

Verloren haben im Wahlkreis Mittelland-Süd die FDP, die einen einzigen Sitz einnimmt, und Rot-Grün mit ihren insgesamt sechs Mandaten: 2006 erreichten die Freisinnigen in Köniz noch einen Anteil von 16,5 Prozent – gestern waren es noch 10,8. Noch schlimmer fällt die Bilanz der FDP im Raum Konolfingen aus: Etwa in Biglen sackte die FDP von gut 20 Prozent im 2006 gestern auf geradezu katastrophale 7 Prozent. In Köniz verloren SP und Grüne zusammen rund 6,2 Prozent; in Biglen machten sie gar um fast 12 Prozent rückwärts und landeten bei einem Wähleranteil von rund 22,6 Prozent. Allerdings: Ein bisschen Grün und ein bisschen liberales Gedankengut ist im Wahlkreis Mittelland-Süd auch hinzugekommen: Mit Thomas Brönnimann aus Mittelhäusern zieht ein Grünliberaler ins Kantonsparlament.

Die EVP wird weiterhin von Marianne Streiff-Feller vertreten — vielleicht allerdings nicht mehr lange: Falls Walter Donzé (evp) wie geplant im Herbst aus dem Nationalrat zurücktritt, ist sie erste Ersatzfrau. Den Vorwurf, Streiff habe nur für den Grossen Rat kandidiert, um der EVP Stimmen zu sichern, lässt die Fraktionschefin nicht gelten: Donzé habe seine Demission noch nicht schriftlich eingereicht, sagte sie gestern auf Anfrage: «Und ich verzichte nicht auf ein Amt zugunsten eines andern, das ich noch gar nicht habe». (Der Bund)

Erstellt: 29.03.2010, 08:50 Uhr

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