Bern

SVP, SP und FDP auf Tiefststand

Von Rudolf Burger. Aktualisiert am 30.03.2010

Der Vergleich mit früheren Jahren zeigt, dass sich die Stimmanteile bei den Grossratswahlen 2010 zum Teil sehr stark verschoben haben.

Stimmenanteile der Parteien seit 1990


Das herausragende Ereignis der Grossratswahlen 2010 im Vergleich zu den Wahlen von 2006 ist der Sprung der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) auf einen Stimmenanteil von 16,0 Prozent. Zwar hatte die im Juni 2008 gegründete Partei bei verschiedenen Gemeindewahlen schon gute Resultate erzielt, aber dass sie sich gleich auf den dritten Platz unter den bernischen Parteien hieven würde, war doch nicht erwartet worden.

Geholt hat die BDP ihre Wähler bei der FDP, die einen eigentlichen Absturz erlebte, aber auch bei der SP sowie der EVP, deren Höhenflug, den sie 1994 begonnen hatte, gestoppt wurde. Beinahe schadlos hat jedoch die SVP den Aufstieg der BDP überstanden. Das ist nicht völlig überraschend – zum einen hat die SVP einen intensiven Wahlkampf geführt, zum andern war schon bei diversen Gemeindewahlen sichtbar geworden, wie gut sich die SVP trotz BDP behaupten konnte.

Gestoppt wurde am Wochenende auch der Aufstieg der Grünen, die der erstmaligen Beteiligung der Grünliberalen Tribut zollen mussten. Insgesamt haben sich die Gewichte in der bernischen Parteienlandschaft im Grossen Rat in Richtung bürgerliches Lager verschoben. SVP, BDP, FDP und CVP kommen zusammen auf einen Stimmenanteil von 54,3 Prozent (2006: 42,8%). Weil sich diese neue Konstellation natürlich auch in Mandaten niederschlägt (87 von 160 Sitzen gegenüber 74 im alten Grossen Rat), bedeutet dies, dass die christlichen Parteien EVP und EDU im neuen Parlament ihre Rolle als Zünglein an der Waage verloren haben.

Stimmbeteiligung leicht höher

Die Stimmbeteiligung hat sich gegenüber 2006 von 31,1 auf 32,4 Prozent verbessert. Aus diesem leichten Anstieg auf eine besonders gute Mobilisierung etwa der SVP-Anhänger zu schliessen, scheint doch gewagt. Etwa im Wahlkreis Oberland, einer SVP-Hochburg, hat sich die Beteiligung nur um 1,2 Prozentpunkte erhöht, von 34,1 auf 35,3 Prozent.

SVP, SP und FDP mit Verlusten

Im langjährigen Vergleich ist der Stimmenanteil der SVP zwar mit 26,6 Prozent auf einem Tiefststand, aber angesichts der neu entstandenen Konkurrenz durch die BDP ist der Verlust von nur 0,8 Prozentpunkten im Vergleich zu 2006 ein gutes Ergebnis. In verschiedenen Ortschaften und auch Wahlkreisen hat sich die SVP sogar verbessert (so etwa im Jura von 19,2 auf 22,7%). Sogar in der Stadt Bern resultierte ein leichtes Plus (von 11,3 auf 11,6%), weil aber im Gegensatz zu 2006 keine grosse Listenverbindung half, verlor die SVP dort dennoch ein Mandat.

Mit ihrem Anteil von nur noch 18,9 Prozent hat die SP gegenüber 2006 5,1 Prozentpunkte verloren und ist ebenfalls auf einen Tiefststand gefallen. In den Wahlkreisen, die identisch oder nur wenig anders sind als 2006 und deshalb für Vergleiche relevant (Bern und Jura identisch, Oberland, Thun und Biel-Seeland nur leicht verändert), hat die SP mit der Ausnahme von Bern mehrere Prozentpunkte verloren (am meisten im Wahlkreis Biel, Rückgang von 28,4 auf 21,3%). In Bern konnte sie sich dagegen um 0,7 Prozentpunkte auf einen Anteil von 27,0 Prozent steigern.

Mit 6,1 Prozentpunkten ist der Verlust der FDP besonders massiv, und der Stimmenanteil von nur noch 10,3 Prozent ist ein absoluter Tiefststand. Lichtblicke gibt es für die FDP kaum, am ehesten im Jura, wo die Regierungsratskandidatur von Sylvain Astier dafür sorgte, dass der Verlust weniger als drei Prozentpunkte ausmachte (Rückgang Stimmenanteil von 15,7 auf 12,8%).

BDP: Erfolg mit bekannten Köpfen

Eine Partei, die auf Anhieb einen Stimmenanteil von 16,0 Prozent erreichte – das ist für die moderne Zeit des Kantons Bern ein Novum. Zweifellos profitierte die BDP davon, dass sie im Grossen Rat schon vor dieser Wahl mit bekannten Köpfen vertreten war. Mit Ausnahme des Juras, wo die BDP nur 6,1 Prozent holte, liegt ihr Stimmenanteil überall im zweistelligen Bereich, auch in der Stadt Bern, wo sie mit 10,7 Prozent sogar die FDP (Anteil 9,0%) überflügelte. Mit je 19,4 Prozent Anteil hat die BDP ihre besten Resultate in den Wahlkreisen Emmental und Mittelland-Süd erreicht.

Grüne: Verluste an Grünliberale

Keine Frage: Der Rückgang des Stimmenanteils der Grünen von 12,9 auf 10,1 Prozent ist mit der erstmaligen Kandidatur der Grünliberalen zu erklären. Ausser im Jura, wo der Stimmenanteil der Grünen von 7,6 auf 8,7 Prozent leicht zunahm, sind sonst überall Verluste zu registrieren. Auffallend ist das Resultat in der Stadt Bern, wo das linke Grüne Bündnis (GB) und die liberalere Grüne Freie Liste (GFL) noch mit eigenen Listen antraten: Während sich GB um rund einen Prozentpunkt auf einen Anteil von 13,3 Prozent steigerte, fiel GFL von 17,5 auf 11,0 Prozent zurück. Das ist kaum anders als durch die Konkurrenz der Grünliberalen (Anteil in der Stadt Bern 5,7%, im ganzen Kanton 4,1%) zu erklären.

EVP gebremst, EDU konstant

Die Taktik der EVP, mit mehreren Listen (Junge, Plus, Erfahrung) anzutreten, ist diesmal nicht aufgegangen, ihr Anteil fiel auf 5,9 Prozent zurück – mit Sicherheit sind einige ihrer Wähler zur BDP abgewandert. Auch die EDU hat 0,4 Prozentpunkte verloren, und der Verlauf ihrer Kurve zeigt wohl, dass die Fünfprozentmarke unerreichbar bleibt.

CVP tritt an Ort; PSA überholt

Die CVP kommt im Kanton Bern nicht vom Fleck, ihr Anteil ist auf 1,4 Prozent gesunken. Im Jura haben die autonomen Sozialisten (PSA) 3,1 Prozentpunkte eingebüsst (Anteil neu 20,5%). Damit ist dort die SVP (22,7%) wieder stärkste Kraft. Es würde nicht erstaunen, wenn die Schweizer Demokraten (Anteil 0,4%) in diesen Wahlen ihre letzte Vorstellung gegeben hätten. (Der Bund)

Erstellt: 30.03.2010, 14:58 Uhr

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