«Ich war noch nie verbittert im Leben»
Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 30.03.2010 11 Kommentare
«Ich habe ein Unternehmerherz und ein Politikerherz», sagte Adrian Haas vor sechs Jahren, als er das Direktorium des kantonalen Handels- und Industrievereins (HIV) übernahm. Seit den Wahlen von letztem Sonntag muss das Unternehmerherz des abgewählten FDP-Fraktionschefs vorläufig wieder alleine weiterschlagen. Am Tag nach der Niederlage zeigt sich Haas gefasst, obwohl er nur 39 Stimmen weniger erzielt hat als der wiedergewählte Christoph Stalder. «Die Situation auf der Liste der FDP Stadt Bern war speziell», analysiert der Jurist die Ausgangslage. Seit dem Erfolg der BDP bei den Stadtratswahlen 2008 sei klar gewesen, dass die FDP Stadt Bern ihre drei Sitze im Grossen Rat kaum werde halten können. Mit Philippe Müller, Christoph Stalder und ihm seien aber just drei stadtbekannte Namen auf der Liste gestanden. «Es ist Zufall, dass gerade ich den Schwarzen Peter gezogen habe», sagt Haas. Klar, eine solche Niederlage stecke man nicht einfach weg. Er sei aber ein Typ, der nach vorne schaue. «Ich war noch nie verbittert in meinem Leben», sagt Haas.
Zumindest im Fall Philippe Müllers sieht Haas aber noch andere Faktoren als den Zufall im Spiel. Mit Stalder, Haas und der ebenfalls abgewählten Sandra Wyss hat Newcomer Müller nämlich gleich drei Bisherige deutlich hinter sich gelassen. «Philippe Müller konnte sich mit der Sicherheitsinitiative in der Stadtberner Öffentlichkeit gut profilieren.» Er selber hingegen arbeite lieber als Networker im Hintergrund, sagt Haas. Als Chef der FDP-Fraktion im Grossen Rat habe er zudem eine ausgleichende Funktion gehabt. Bei den Medien habe er damit schlechte Karten gehabt. «Für die Medien sind Politiker interessant, die plakative Aussagen machen.» Die Steuersenkungsdebatte von letzter Woche, bei der sich Haas als Wortführer der bürgerlichen Steuersenker profilieren konnte, sei diesbezüglich zu spät gekommen. «Da hatten 80 Prozent der Wählenden ihr Votum bereits brieflich abgegeben», sagt Haas.
Acht Jahre hat Haas im Stadtrat, weitere acht Jahre im Grossen Rat politisiert. In beiden Gremien war er längere Zeit als Fraktionspräsident aktiv. In all diesen Jahren hat sich Haas den Ruf eines harten, aber stets fair argumentierenden Politikers erworben, auch wenn ihm in der rot-grünen Stadt Bern aufgrund seiner Einsprachenpolitik bisweilen das Image eines Verhinderers anhaftete. Kann einer wie Haas die Politik einfach loslassen? «Man weiss nie, was noch kommt.» Vielleicht werde er ja wieder ins Kantonsparlament nachrutschen. Eine Rückkehr in die Stadtpolitik schliesst Haas aus – zumindest was den Stadtrat betrifft. Über eine allfällige erneute Gemeinderatskandidatur will er sich heute noch keine Gedanken machen. Auch bezüglich der Nationalratswahlen im nächsten Jahr ist Haas wenig zu entlocken. «Die Wahlresultate der FDP lassen zurzeit keinen Optimismus aufkommen.» Die BDP fische im Teich der FDP, «weil die BDP die Alternative zur SVP verkörpert», sagt Haas.
Die FDP Schweiz wiederum habe mit ihrem Kurswechsel in der Finanzmarktstrategie die Wählerschaft verunsichert. Als kantonaler HIV-Direktor sei er ja nicht von der politischen Bühne verschwunden. «Ich habe nach wie vor ein Bein in der Politik», sagt Haas. (Der Bund)
Erstellt: 30.03.2010, 07:48 Uhr
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11 Kommentare
Oben beschriebene Wahlanalise der SP,betreffend SVP BDP zielt an einem nicht unwichtigen Grund vorbei.Mit der Abwahl von CB wurde der Grundstein der Schwächung der SP,CVP,FDP,erfolgreich eingeleitet. Dies zeigte sich im nachhinein für FDP, SP, CVP und auch Grüne immer mehr als Eigengoal.War so voraus zu sehen.Bitte Politiker,seid weiter alle gegen die SVP,das Volk sieht zu und wählt.Besten Dank. Antworten
Liebe "Genossen" Erinnert ihr euch an den SP-Jubel im Nationalratssaal, als Blocher abgewählt und Widmer-Schlumpf gewählt wurde? Ohne diesen Winkelzug gäbe es keine BDP. Diese BDP nimmt euch jetzt die Stimmen weg... Wie man sich bettet, so liegt man. Es gibt keinen Grund, sich zu beklagen. Antworten
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