Bern

FDP im Emmental «zwischen den Fronten aufgerieben»

Von Simon Wälti. Aktualisiert am 29.03.2010

SVP bleibt stärkste Partei – die BDP holt mehr Stimmen als die SP.

Das Emmental ist einer derjenigen Wahlkreise, die relativ stark verändert wurden: Der Wahlkreis verlor die Region Konolfingen, erhielt aber den Raum Burgdorf dazu. Die Zahl der Sitze reduzierte sich von 17 auf 15. Zudem bewarben sich 14 Bisherige für diese Sitze. Drei Bisherige mussten letztlich über die Klinge springen: Es traf Andrea Lüthi (sp), Werner Hostettler (svp) und Markus Kronauer (edu).

FDP weit weg vom zweiten Sitz

Einen wohl historischen Tiefstand muss die FDP verdauen. Die Freisinnigen erreichten lediglich einen Wähleranteil von 5,1 Prozent, zählt man die Jungfreisinnigen dazu, so sind es 5,9 Prozent. Damit fällt die FDP auf die Höhe der EDU zurück, die 5,3 Prozent Wähleranteile erreichte. Bei der EDU war absehbar, dass die Verteidigung des zweiten Sitzes utopisch war. Der wiedergewählte FDP-Grossrat Peter Sommer sagte, er habe befürchtet, dass das Antreten der BDP zulasten des Freisinns gehen könnte. «Unser Ziel war es den zweiten Sitz zu holen, doch das erwies sich als Wunschdenken.» Die FDP sei «zwischen den Fronten von SVP und BDP aufgerieben worden». Die SVP habe im Emmental stark mobilisiert, die BDP habe auf drei Bisherige mit hohem Bekanntheitsgrad zählen können.

Im Strudel der BDP-Abspaltung musste wohl auch die SVP einige Federn lassen. Die SVP ist aber mit 33,9 Prozent weiterhin die stärkste Partei im Emmental. Die SVP kommt auf fünf Mandate. Neu für die Partei im Grossrat politisieren Nadja Pieren, Hugo Kummer und Alfred Bärtschi. Die Bisherigen Fritz Reber und Alfred Gerber wurden wiedergewählt. «Wir haben unser Ziel, zwei Sitze mehr zu machen, erreicht», sagte Andreas Aebi, Nationalrat und SVP-Präsident Emmental. Nach der BDP-Abspaltung habe die SVP in diesem Gebiet nur noch drei Vertreter im Parlament gezählt. «Wir mussten im unteren Emmental mit neuen Leuten antreten.»

BDP macht drei Sitze

Die BDP kam auf 19,4 Prozent Wähleranteil. Die drei Bisherigen Franz Haldimann, Peter Studer und Samuel Leuenberger wurden wiedergewählt. Die BDP ist damit die zweitstärkste Kraft im Emmental und liess die SP klar hinter sich. BDP-Wahlleiter Urs Gnehm zeigte sich sehr zufrieden mit dem Resultat. «Verglichen mit den anderen Wahlkreisen im Kanton haben wir im Emmental ein sehr gutes Ergebnis erzielt.»

Ein direkter Vergleich mit den Wahlen vor vier Jahren ist schwierig. Doch es lässt sich trotzdem sagen, dass die SP deutlich an Boden verloren hat. Zwar hielt sie ihre drei Mandate im neu gebildeten Wahlkreis, doch knapp 17 Prozent der Wählerstimmen (davon 0,9 Prozent Juso) bedeuten eine Schlappe für die Sozialdemokraten. Im alten Wahlkreis Emmental kam die SP 2006 noch auf 21 Prozent. Im Amt Burgdorf erreichte die SP sogar über 25 Prozent.

Bernhard Antener, Langnauer Gemeindepräsident, wurde wiedergewählt, ebenso wie Danielle Lemann, Ärztin aus Langnau. Die Burgdorfer Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch wird neu im Kantonsparlament Einsitz nehmen. Ein kleiner Trost für die SP: Mit 6450 Stimmen erreichte Antener die höchste Stimmenzahl aller Gewählten im Emmental, Lemann mit 5914 Stimmen die zweithöchste.

Die EVP hat im Emmental etwas an Strahlkraft eingebüsst. Sie trat zwar auf drei Listen mit 45 Kandidierenden an, die Kandidatenschwemme machte sich aber nicht unbedingt bezahlt. Zusammen kamen EVP, EVP Plus und EVP Junge auf 7,2 Prozent Wähleranteil. 2006 waren es noch über 10 Prozent. Für die EVP wiedergewählt wurde der Oberburger Solarpionier Josef Jenni. Nichts zu holen gab es für die Grünliberalen, die zum ersten Mal angetreten waren. Auch Pierre Mettraux blieb als einziger Kandidat der DAL («Die andere Liste») chancenlos. Der Künstler und Gemeinderat von Heimiswil machte als Einzelkämpfer 612 Stimmen. (Der Bund)

Erstellt: 29.03.2010, 08:58 Uhr

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