EVP eröffnet den Wahlkampf
«Die EVP möchte in die Berner Regierung», sagte Grossrat und Wahlkampfleiter Ruedi Löffel in Biel vor den Medien. Diesen frommen Wunsch hegt die Evangelische Volkspartei offenbar ungeduldig, stellte sie gestern doch als erste aller Parteien genau ein Jahr vor denRegierungsratswahlen vom 28. März 2010 ihre Kandidaten vor. Nominieren lassen will sich zum einen der 35-jährige Thuner Grossrat und Pfarrer mit Primarlehrerpatent Marc Jost. Ebenfalls zur Wahl stellen möchte sich der 42-jährige Patrick Gsteiger aus Moutier, Mitinhaber eines Ingenieurbüros, früher Polizist und Gemeindepräsident von Perrefitte sowie Sekretär des Regionalrates, der vor der Gründung des Bernjurassischen Rats für die Interessen des Berner Juras einstand.
Männer der Mitte
Die verheirateten Familienväter passen zur schwer fassbaren EVP – einer Partei, deren Wählerspektrum von linksliberal bis rechtskonservativ reicht und die in der Finanzpolitik einerseits gegen Steuersenkungen und andererseits für Schuldenabbau und Sparsamkeit ist. So will Jost «keinen unabbaubaren Schuldenberg für kommende Generationen» und «echtes Kindergeld statt eines Chaos von Steuerabzügen und Zulagen». In der Energiepolitik fordert er «Anreize zum Sparen». Gsteiger möchte eine «liberale Marktwirtschaft mit sozialer Verantwortung», die Umwelt schützen sowie erneuerbare Energien fördern. Beide wollen ein Ende der «verhängnisvollen Konfrontation» zwischen links und rechts, sehen sich als Männer der Mitte.
Politisch in Erscheinung getreten ist Jost unter anderem mit Vorstössen, die eine Aufstockung der Berner Entwicklungshilfe und das Verbot geschlechterdiskriminierender Werbung forderten. Gsteiger hatte 2006 auf eine Kandidatur für den Regierungsrat verzichtet, weil er ein Zusammengehen mit Rot-Grün statt mit der CVP favorisierte.
Indem Gsteiger dieses Mal nun antritt, schielt die Partei auf den garantierten Sitz des Berner Juras, der momentan in der Hand von SP-Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud ist. «Wir kritisieren seine Arbeit nicht. Die SP ist aber übervertreten in der Regierung, und er bekam 2006 von allen Gewählten am wenigsten Stimmen», sagte der Berner EVP-Präsident Gerhard Baumgartner. Zudem habe die EVP Potenzial im Jura, da dort viele Menschen mit christlichem Hintergrund lebten. Eine Rolle dürfte auch die Tatsache spielen, dass unklar ist, ob sich die Bürgerlichen überhaupt auf einen Kandidaten aus dem Jura einigen können. Auch bei der Kandidatur Josts spielt Regionalpolitik hinein, stellt doch das Berner Oberland im Moment keinen Regierungsrat. «Dies ist ein wichtiger Grund für mein Interesse an dem Amt», sagte Jost denn auch.
Doch trotz 13 Grossräten, anhaltenden Wahlerfolgen im Kanton Bern und sorgfältigen Strategien: Die EVP bleibt eine kleine Partei, bekam bloss 7,3 Prozent der Stimmen bei den letzten Grossratswahlen, und ihre Kandidaten für den Regierungsrat, Marianne Streiff-Feller und Heinz Dätwyler, schafften es 2006 nur auf die Plätze 11 und 12.
«Riesige Chance»
«2010 bietet sich uns aber eine riesige Chance», sagte Baumgartner. Die ausseramtlichen Wahlzettel, auf denen bisher die bürgerlichen und rot-grünen Kandidaten vorgedruckt erschienen, fallen weg. Auch wenn dieses neue System tendenziell Bisherige bevorzuge, hätten «blockunabhängige» Kandidierende nun zum ersten Mal die gleichen Chancen wie solche der «Blockparteien». Bisher hätten nämlich rund 50 Prozent der Wähler vorgedruckte Zettel benutzt. Auch andere Gründe sprächen für einen Erfolg der EVP. «Die Spaltung der SVP wird uns wohl eher nützen als schaden.» Zudem setzten die Menschen vermehrt auf christliche Werte: Mit der EDU und der CVP habe man bei den Grossratswahlen 2006 immerhin einen Wähleranteil von 13,88 Prozent erreicht. «Damit hat der ,christliche Block‘ Anrecht auf einen Regierungsrat.» Zu möglichen Bündnissen mit anderen Parteien wollte sich die EVP gestern aber noch nicht äussern, solche Pläne seien heute nicht spruchreif.
Der nächste Schritt ist indes klar: Die Delegierten der Partei müssen die Kandidaten am 25. April nun zuerst einmal offiziell nominieren.
Erstellt: 20.01.2010, 14:40 Uhr
Bern
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Am 1. Juni 2012 gastieren die Berner Oberländer Mundartrocker auf dem Thunersee.






