Die SVP hält dem Angriff der BDP im Berner Oberland trotz einer Abwahl stand
Von Matthias Raaflaub. Aktualisiert am 29.03.2010
Das Berner Oberland hat gestern bürgerlicher gewählt als vor vier Jahren. Dennoch: Im Vergleich mit der letzten kantonalen Wahl 2006 büsste die SVP einen Sitz ein. Den grössten Wahlerfolg kann die BDP verbuchen. Sie hat bei ihren ersten Grossratswahlen drei Sitze geholt. Im leicht veränderten Wahlbezirk ist sie damit zur zweitstärksten Kraft hinter der SVP geworden. Peter Eberhart, welcher im September 2009 schon als Mitglied der BDP für den verstorbenen Hans Küng (svp) nachgerückt war, verteidigte seinen Sitz. Nun ziehen mit ihm zwei Neue ins Kantonsparlament ein. Der Apotheker Enea Martinelli-Messerli aus Matten und die frühere Krattiger Gemeindepräsidentin Anita Luginbühl-Bachmann obsiegten in der parteiinternen Ausmarchung.
SVP hält sich gut
Sieben Vertreter in Bern stellt in der nächsten Legislatur die SVP. Gegenüber der momentanen Vertretung des Oberlands holt sie einen Sitz zurück, verglichen mit der Wahl 2006 hat sie einen verloren. Ein Blick auf die Wähleranteile zeigt aber: Die Konkurrenz der BDP hat die SVP nicht schlecht verkraftet. Sie hat mit 38,1 Prozent nur knapp zwei Prozent schlechter abgeschnitten als in der vergangenen Wahl. Markanter sind die personellen Wechsel. Der Landwirt Bernhard Zumbrunn aus Unterbach scheidet nach nur einem Jahr aus dem Parlament aus. Er war für den verstorbenen Hans Michel nachgerückt. Dafür ziehen zwei neue Köpfe aus dem Verwaltungskreis Frutigen-Niedersimmental in den Grossen Rat ein: Christoph Berger aus Aeschi und Thomas Knutti aus Weissenburg. Keine Überraschung gab es im Saanenland. Bethli Küng-Marmet distanzierte ihre Konkurrenten mit runden 5000 Stimmen klar. Ihr gelang damit schon die dritte Wiederwahl.
Abwahl bei Sozialdemokraten
Verliererin im Oberland ist die SP. Ihr Rückhalt bei den Wählern sank gegenüber 2006 um 6,5 auf 12,65 Prozent. Im Rat bleiben Emil von Allmen und Christoph Ammann. Die Adelbodnerin Andrea Zryd wurde abgewählt. Gleichzeitig schaffte es der Spiezer Gemeindepräsident Franz Arnold nach 2006 zum zweiten Mal nicht in den Grossen Rat. Der Sitz des abgetretenen Hans Bieri ging verloren.
Noch 10,74 Prozent erreichte die FDP (2006: 13,1). Peter Flück und Hans-Jörg Pfister verteidigten ihre Sitze mit Spitzenresultaten (8331 und 7010 Stimmen). Auch EDU, Grüne und EVP behielten ihre bisherigen Vertreter.
Kleine noch kleiner
Bei den kleinen Parteien haben die grossen offenbar gegrast. EVP, Grüne und Schweizer Demokraten haben ausnahmslos Stimmen eingebüsst. Nur eine Randerscheinung bleibt im Oberland auch die Grünliberale Partei. Sie kam mit 4,27 Prozent noch hinter der EVP zu liegen und verpasste einen Grossratssitz. Die Wahlkreisreform hatte im Berner Oberland nur geringe Auswirkungen. Die drei Gemeinden Niederstocken, Oberstocken und Reutigen – rund 6000 Stimmen – zählten erstmals zum Thuner Wahlkreis. (Der Bund)
Erstellt: 29.03.2010, 08:55 Uhr
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