Bern

Aushängeschild der BDP mit Frauenbonus

Von Anita Bachmann. Aktualisiert am 08.03.2010

Für Beatrice Simon steht bei den Regierungsratswahlen mit ihrer BDP viel auf dem Spiel. Ob die Parteipräsidentin ihre steile Politkarriere mit einem Sitz in der Regierung krönen kann, ist aber ungewiss. Erfahrung hat sie vor allem auf Gemeindeebene.

Beatrice Simon kann vom Frienisberg auf Seedorf blicken – jene Gemeinde, in der sie lebt und als Gemeindepräsidentin wirkt. (Adrian Moser)

Beatrice Simon kann vom Frienisberg auf Seedorf blicken – jene Gemeinde, in der sie lebt und als Gemeindepräsidentin wirkt. (Adrian Moser)

Beatrice Simon

Die 49-jährige Beatrice Simon wuchs in der Stadt Bern auf. Sie absolvierte eine kaufmännische Berufslehre und arbeitete anschliessend in diesem Bereich in verschiedenen Firmen und Organisationen. Kürzlich schloss sie die Ausbildung zur Personalfachfrau ab. 1994 kandidierte sie auf Anfrage der SVP erfolgreich für den Seedorfer Gemeinderat. Seit drei Jahren ist sie Gemeindepräsidentin der 3000-Seelen-Gemeinde. 2006 wurde sie für die SVP in den Grossen Rat gewählt.

Nach der Parteiabspaltung wechselte Simon in die neugegründete BDP und wurde Kantonalpräsidentin. Während drei Jahren präsidierte sie den Verein Seeland Biel/Bienne, zudem ist sie Stiftungsrätin der Kulturfabrik Lyss, Ko-Präsidentin «Pro Ligerztunnel» und Vorstandsmitglied Eidgenössisches Turnfest 2013 in Biel. Simon ist verheiratet und Mutter zweier Töchter. (ba)

An der Gründung von Sektionen, bei Presseterminen oder Wahlkampfveranstaltungen tritt Beatrice Simon öfters in schwarzen Hosen, schwarzem Oberteil und gelbem Jackett auf. In den Farben ihrer Partei BDP, die die Seeländerin im Kanton Bern präsidiert. Gelb stehe ihr gut, sagt Simon. Zudem sei die Farbe gerade in Mode gewesen. Sie achte auf ihr Erscheinungsbild, denn dieses spiele im Unterbewusstsein eine grosse Rolle. Als Frau hat sie nicht nur mehr Möglichkeiten, sich zu kleiden, ihr Geschlecht könnte ihr auch sonst von Nutzen sein. Als Frau habe sie im Rennen um einen Regierungsratssitz einen Vorteil, sagt Dieter Widmer, BDP-Grossratsfraktionspräsident. Er und zwei weitere Konkurrenten – Samuel Leuenberger und Lorenz Hess – hätten ihr als Kandidatin nicht leichtfertig den Vortritt gegeben, sondern weil sie von ihrer Eignung überzeugt seien, sagt Widmer. Simon wurde aber bereits in ihrer alten Partei SVP gefördert. «Meine Karriere wäre auch dort gewährleistet gewesen», sagt sie. Sie war erst knapp zwei Jahre im Grossen Rat, als sie als neue Fraktionschefin gehandelt wurde. Eine Frau zu portieren, sei der SVP bestimmt «komod cho», sagt Simon, die schliesslich Vizefraktionspräsidentin wurde. Die parteiinterne Ausmarchung ums Vizegrossratspräsidium verlor sie zwar gegen Gerhard Fischer, dass sie auch für die SVP einmal in die Regierungsratswahlen geschickt worden wäre, ist aber nicht ausgeschlossen. «Es gab damals bereits Leute, die meinten, ich solle bald kandidieren», sagt Simon.

Bekannt als Parteipräsidentin

Doch so weit sollte es nicht kommen. Am 21. Juni 2008 wurde die BDP im Kanton Bern gegründet. Simon trat nicht nur aus der SVP aus und in die neue Partei ein, sondern wurde gleich zu deren Präsidentin gewählt. «Sie macht gerne etwas, was sie schnell vorwärtsbringt», sagt SVP-Grossrat Thomas Fuchs. «Ich habe meine Karriere nie geplant», sagt Simon. Vielmehr sei sie jemand, der gerne Verantwortung übernehme. Das Amt der Kantonalpräsidentin barg anfangs Risiken, darin sind sich Fuchs und Simon einig – und beide betonen zudem, dass zwischen ihnen trotz der Parteispaltung ein entspanntes Verhältnis herrsche. «Ich habe meine Karriere aufs Spiel gesetzt», sagt sie. Obwohl die Feuertaufe der BDP mit den kantonalen Wahlen noch bevorsteht, hat sich die Partei bis heute gut geschlagen – und Simon einen gewissen Bekanntheitsgrad eingetragen, der für sie im Kampf um den Regierungssitz entscheidend sein könnte. Ob sie den BDP-Sitz des Finanzdirektors Urs Gasche verteidigen kann, ist aber ungewiss. «Von der SVP wird sie keine Stimme erhalten», sagt Fuchs. Simon habe schon in der SVP in der Mitte politisiert, nun sei sie eher noch nach links gerutscht.

Kaputte Freundschaften

Der Druck ist hoch. Wenn sie nicht gewählt werde, sei dies eine persönliche Niederlage, aber auch eine für die BDP, sagt Simon. «Trotzdem wäre die Idee der BDP nicht gestorben.» Der Wahlkampf reisst zudem Wunden der Parteispaltung wieder auf. «Der Frust ist plötzlich wieder sehr gross», sagt Simon. Dass sie sich in der SVP noch als Vizefraktionspräsidentin habe wählen lassen, sei verlogen, sagt Fuchs. Verräterin wurde sie vom Präsidenten der SVP Seedorf gescholten. Und auch Freundschaften seien kaputtgegangen, sagt Simon. Das Verhältnis zu Regierungsrat Christoph Neuhaus etwa sei nicht mehr dasselbe. Mit ihm habe sie sich noch vier Monate vor der Parteispaltung über seine Wahl gefreut und ihm einen riesigen Blumenstrauss überreicht.

Ab Sommer könnten die beiden zumindest als Kollegen wieder zusammenarbeiten. Simon wäre laut Fuchs aber nur eine durchschnittliche Regierungsrätin und würde zu denen gehören, die in der Privatwirtschaft nie eine solche Position erreichten. «Frischen Wind» würde sie in den Regierungsrat bringen, sagt Widmer. SP-Grossrat Peter Bernasconi, der mit Simon in der Justizkommission sitzt, beschreibt sie als stramme Bürgerliche, die aber konstruktiv und kollegial arbeite. Und der ehemalige Gemeindeschreiber von Seedorf sowie der Geschäftsführer des Vereins Seeland Biel/Bienne sind des Lobes voll. Simon selber sieht ihre Qualitäten darin, dass sie gut zuhören und Betroffene mit einbeziehen kann. Auf Gemeindeebene sei sie aufgrund der – erfolgreichen – Ortsplanungsrevisionen zur Raumplanungsexpertin geworden. Im Kanton Bern möchte sie Schulden abbauen und in die Werterhaltung der Infrastruktur investieren. «Sonst hinterlassen wir unseren Nachkommen ein schwieriges Erbe», sagt sie. Vor allem möchte sie aber, dass die Berner und Bernerinnen wieder stolzer wären. «Viele fühlen sich im Kanton Bern wohl, dürfen aber nicht dazu stehen, weil einige den Kanton wegen der hohen Steuerbelastung schlechtreden.» Es müssen ja nicht gleich alle so selbstbewusst wie Simon werden, die gewagt gelbe Kleider trägt, sich auf Internetseiten wie Gemeindepraesidentin.ch und Grossraetin.ch präsentiert – und die Adresse Regierungsraetin.ch bereits reserviert hat.

(Der Bund)

Erstellt: 08.03.2010, 15:11 Uhr

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