«Anti-Blocher-Anti-SVP-Reflex» schadet der SP
Von Renate Bühler. Aktualisiert am 30.03.2010 11 Kommentare
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Die SP gehört zu den Verliererinnen der Grossratswahlen: Noch im Jahr 2002 konnte die Partei einen Wähleranteil von 26,4 Prozent für sich verbuchen. 2006 verlor sie 2,4 Prozentpunkte und diesmal deren 5,1. Im Wahlgang vom Wochenende erreichte sie noch 18,9 Prozent. Die Sozialdemokraten haben im Grossen Rat künftig noch 35 statt wie bisher 41 Sitze inne.
Wo klemmt es bei der SP? Für verschiedene SP-Exponenten ist klar: Die BDP hat der SP insbesondere auf dem Land das Wasser abgegraben: «In den städtischen Gebieten und den Agglomerationen haben wir akzeptabel abgeschnitten, konnten nach den Nationalratswahlen wieder Fuss fassen», sagte Irène Marti Anliker, Präsidentin der SP des Kantons Bern, gestern auf Anfrage. Auf dem Land hingegen sieht Marti Nachholbedarf. Früher hätten die Leute in den ländlichen Gebieten meist die SVP gewählt oder aber die SP. Nun habe sich die BDP als Alternative angeboten – und zwar sowohl zur SVP als auch zur SP. «Als neue Partei gibt sie ein Gefühl der Hoffnung – und sie hatte noch keine Gelegenheit, jemanden zu verärgern. Vielen Wählerinnen und Wählern ist wohl gar nicht klar, dass die BDP eine bürgerliche Partei ist, eigentlich eine SVP, nur moderater.» Hinzu komme, dass es in gewissen Gebieten gerade des Berner Oberlandes SP-Mitglieder immer noch schwer hätten – «vermutlich ist es mancherorts einfacher, sich als BDP-Wähler zu offenbaren».
Ähnlich schätzt Grossrätin Flavia Wasserfallen, Ko-Präsidentin der SP Stadt Bern, das Resultat der SP ein: «In der Stadt konnten wir das Resultat halten; wir sind generell im urbanen Raum gut positioniert.» In den ländlichen Gebieten habe die SP wohl aber Wähleranteile an die Grünliberalen und insbesondere an die BDP verloren: Der «Anti-Blocher-Anti-SVP-Reflex» habe der BDP bis weit in die SP hinein Sympathien eingebracht, auch wenn immer noch nicht ganz klar sei, welche Politik die BDP künftig machen werde. Peter Bernasconi, Grossrat aus Worb, sagt es so: «Viele wollten die BDP stärken, und wir kamen dabei wie die FDP etwas unter die Räder.»
Grossrätin Nadine Masshardt geht davon aus, dass allein schon der aggressive, teils lärmige Wahlkampf den beiden bürgerlichen Parteien genutzt hat: «Die Mobilisierung infolge der Abspaltung BDP-SVP war sehr gross.»
Eins steht für die Grossrätinnen und Grossräte fest: Ihre eigene, themenbezogene Wahlkampagne war gut: «Ich habe etliche positive Feedbacks erhalten», sagt Nadine Masshardt, «gerade junge Leute fanden unseren Onlineauftritt mit den Videofilmchen attraktiv.»
Dieser Ansicht ist auch Parteipräsidentin Marti. Trotzdem ist sie mit dem Verlauf des Wahlkampfes nicht vollständig zufrieden: «Ich habe manchmal den Eindruck, in gewissen Regionen fehle es uns etwas am Kampfgeist, am Willen, wirklich eine Wahl zu gewinnen.» Diesen Willen «z putze», das «selbstbewusste, stolze Auftreten» der BDP und auch der SVP, wünschte sich Marti auch für ihre Partei: «Damit müssen wir uns auseinandersetzen.»
Das Phänomen, dass einerseits «vier gewinnt», das links-grüne Regierungsratsticket, tatsächlich gewonnen, Rot-Grün im Grossen Rat aber verloren hat, erklärt sich Peter Bernasconi «mit einer Art von Kompensation: Die meisten Wählerinnen und Wähler sind ja nicht parteigebunden; es ist möglich, dass viele die Regierung wiedergewählt haben, dann aber im Grossen Rat etwas gegen rechts korrigiert haben.» Für die SP wäre es ratsam, sich künftig stärker zu profilieren: «Wir stehen nicht einheitlich da – vielleicht sollten wir uns ein schärferes Profil geben.» Dies sei aber einfacher gesagt als getan, da die SP ein breites Politsegment abdecke.
Der SP-Fraktion im Grossen Rat sei es in den letzten Jahren, so Flavia Wasserfallen, wohl nicht immer gelungen, ihre Verdienste für sich zu reklamieren: «Dabei konnten wir auch im Bereich der Energie viele Erfolge verbuchen. Diese wurden dann allerdings meist der Regierung angerechnet.»
Grundsätzlich wundere ihn das schlechte Abschneiden der SP nicht, sagte Grossrat Bernhard Antener: «Der Kanton Bern ist halt einfach stockbürgerlich und wählt bürgerlich.» Zudem handle es sich um ein europäisches Phänomen: «Im Moment hat es keine Sozialdemokratie einfach.» Er stelle ganz allgemein in der Gesellschaft fest, dass derzeit «das enge Korsett» gewünscht werde – warum das so sei, sei ihm auch nicht klar. Dies hingegen schon: «Die 13 Sitze, die Mitte-links verloren hat, werden uns wehtun: Es wird bitter im Grossen Rat!» Allerdings werden, so Antener, «die Bürgerlichen jetzt auch mehr Verantwortung übernehmen müssen. «Wenn es ums Abbauen geht, reicht es nicht mehr, für die Kulisse Radau zu machen.» (Der Bund)
Erstellt: 30.03.2010, 07:57 Uhr
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11 Kommentare
Oben beschriebene Wahlanalise der SP,betreffend SVP BDP zielt an einem nicht unwichtigen Grund vorbei.Mit der Abwahl von CB wurde der Grundstein der Schwächung der SP,CVP,FDP,erfolgreich eingeleitet. Dies zeigte sich im nachhinein für FDP, SP, CVP und auch Grüne immer mehr als Eigengoal.War so voraus zu sehen.Bitte Politiker,seid weiter alle gegen die SVP,das Volk sieht zu und wählt.Besten Dank. Antworten
Liebe "Genossen" Erinnert ihr euch an den SP-Jubel im Nationalratssaal, als Blocher abgewählt und Widmer-Schlumpf gewählt wurde? Ohne diesen Winkelzug gäbe es keine BDP. Diese BDP nimmt euch jetzt die Stimmen weg... Wie man sich bettet, so liegt man. Es gibt keinen Grund, sich zu beklagen. Antworten
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